Bild des Monats April [rolli] 2


Präzisionsdöner

Sicher hätte ich von den ca tausend Fotos aus Berlin andere Motive wählen können. Postkartiger. Ich war in Berlin aber so in „draufdrück“ Laune. Alles und jede Straßenszene gefiel mir und ich wollte diese Frühlingsstimmung festhalten. Es gelang mir nie wirklich.
Diesen seltsamen Präzisionsdöner habe ich zuerst ohne Personen gemacht und bemerkte „Typisch, wie immer, menschenleer fotografieren. So wird das nie was mit Stadfotos“. Vielleicht hat mich ja doch Wim Wenders‘ „Written in the West“ Fotoband zu sehr beeinflusst oder meine gelegentliche Misanthropie. 🙂
Jedenfalls hat mir dieses en passant Foto sehr gefallen. Dieses völlig unwirkliche Stück Fleisch. Das Besondere für mich ist die unbewegte Hand in dem durch die Bewegung verwischten Foto. Dadurch hat das Bild eine gewisse Dynamik und Tiefe bekommen. Und ja, ich habe die beiden Plakatwände bewusst angeschnitten. Warum? Mir war so.
Glück zählt auch!


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2 Gedanken zu “Bild des Monats April [rolli]

  • Sven

    Ja, dieses „Streetphotography“ – ich scheue mich da auch sehr, wildfremde Menschen zu fotografieren. Passanten, die zufällig da sind, einfach, weil sie „im Motiv“ rumstehen, OK, oft unvermeidbar und auch in Ordnung im öffentlichen Raum, aber sie quasi als konkreten Teil eines Motives zu „nutzen“, da tu ich mir ganz furchtbar schwer. Ich bin da deshalb sogar sehr geübt darin, so zu fotografieren, dass es manchmal aussieht, als sei niemand da, selbst an Orten, an denen das eigentlich kaum möglich ist.

    Andererseits finde ich solche Fotos ja wirklich oft richtig interessant – auch dieses hier jetzt, ohne Person wäre das in der Tat sehr statisch und dadurch deutlich langweiliger – die Dynamik der Bewegung (und die Schärfe auf der hand) machen aus einer Dokumentation einer Wand eine echte Szene.

    Das Dilemma, einerseits die Privatsphäre (oder das „Recht am eigenen Bild“, wie es korrekt heißt) sehr hoch zu halten gegenüber dem Problem, dass solche interessanten Szenen kaum möglich sind mit dieser Einstellung. Vielleicht sollte ich mich da auch einfach mal mehr trauen. Und vielleicht drucke ich mir dafür einen Satz spezieller Visitenkarten, die ich den entsprechenden Leuten in die Hand drücken kann, wenn ich ihnen das Bild auf dem Display zeige und frage, ob ich das so verwenden darf. Wobei ich dafür das auch erst mal üben muss, da ich noch gar nicht weiß, ob ich da überhaupt was hinbekomme, denn sowas lernt man ja nicht, wenn mans bislang eher vermeidet.

  • rollinger

    Ja, mir geht es auch so. Entweder sie huschen mir ins Bild und sind nicht das Kernthema des Bildes, dann nehme ich das in Kauf. Was will man auch machen auf einer belebten Straße.
    Auch wenn es Leute sind die so laut und wichtig agieren, dass sie fotografiert werden wollen. http://www.ipernity.com/doc/rollinger/32389611
    Dann mache ich das auch, stelle das Bild aber dann auch nicht offen aus nur so ein wenig äh halboffen. 🙂 Also..ich würde den nicht verkaufen, die anderen Bilder von ihm sind noch krasser. (Kommen noch)
    Oder aber ich frage die Leute ob ich sie fotografieren darf manchmal auch hinterher sonst ist das Bild ja nicht mehr machbar. Das mit den Karten habe ich auch schon oft überlegt wirkt aber irgendwie so angeberisch und ich weiß nicht wie die Leute agieren wenn man sagt „Internet“. Du weißt ja Häuser und Personen verpixeln. Private Briefe, Bankdaten und Krankengeschichte ist ok an der Öffentlichkeit! (Kopf-Tisch)
    Ich habe die Fähigkeiten auf vollen Plätzen so zu knipsen als wäre ich da irgendwie alleine. Ich habe die Geduld und kippe und drehe bis ich keine „Scheißmenschen“ mehr drauf habe.
    Aber die Bilder sind dann irgendwie lahm und tot. Also in Zukunft mit vielen Menschen und drauf.
    Gerade bin ich da auf Ipernity angetan von Leuten die einfach nur Straßen fotografieren wo nichts drauf ist. Trotzdem sind die gut. Irgendwie.