Fotos von Milchstraße und Sternenhimmel bearbeiten: ein Erklärbär-Video 1


Sternenpark Rhön>Der Weltraum. Unendliche Weiten. Ich experimentiere schon eine ganze Weile, genau genommen mehr als ein gutes Jahr, herum, um heraus zu bekommen, wie ich Fotos vom Sternenhimmel und speziell der Milchstraße machen kann, die halbwegs an die professionellen Fotos rankommen, vor denen ich immer mit offenem Mund da sitze und mich staunen lassen.

Ich habe mich natürlich erkundigt, wie diese hochprofessionellen Bilder entstanden sind und musste meist abwinken: zum einen besitze ich nicht das Equipment, nämlich idealerweise ein Ultraweitwnikel mit extrem guter Lichtausbeute – mein NIKKOR 16-35mm f/4G ist nicht das schlechteste Objektiv, aber f4 sind halt dennoch keine f1.8 oder besser und 16mm sind zwar nicht schlecht, aber eben keine 14mm oder gar ein Fischauge – ich habe auch keinen Nachführmotor und ich habe das mit dem Stacken noch nicht hinbekommen.

Stacken, ums kurz zu erklären, wäre eigentlich die Technik, die man bräuchte, um vor allem das Rauschen aus den Bildern zu bekommen und damit ein Ausgangsmaterial, mit dem man die feinen Kontrastunterschiede und damit auch Farben herausarbeiten kann, ohne dass einem das Bildrauschen viel zu früh Grenzen für die Farbigkeit und auch die Schärfe setzt. Dazu werden mehrere Aufnahmen sowie Referenzbilder gemacht. Referenzbilder gibts dabei mit geschlossenem Objektiv („Darkframes“ und „Biasframes“ – ersterer sind Bilder mit der selben Einstellung wie das Foto, zweiteres eins mit der schnellsten Belichtungszeit, die geht bei gleichem ISO) und mit neutralem Inhalt („Flatframes“ – kann man mit einem weißen T-Shirt vor der Linse und einer Lichtquelle machen, da gehts um Staub und Vignettierung). Die besten Sternenhimmelbilder, die man so finden kann sind meist mit mehreren Dutzend Aufnahmen und ebenso vielen Referenzbildern erstellt worden, also schon ein Riesen Aufwand.

Ich habe die Freeware DeepSkyStacker ausprobiert, aber auf meinem Rechner stürzt das Programm bislang leider stets ab, sobald ich versuche, darin eine Bildserie zu bearbeiten. Am Rechner kanns nicht liegen, mit 16GB RAM und einem schnellen 8-Core-Prozessor sollte der genug Leistung unter der Haube haben, auch mit 36 Megapixel-RAWs der D800 von Nikon klar zu kommen. Eine Google-Suche zeigte mir, dass ich nicht der einzige D800-Besitzer bin, der Probleme mit diesem Programm hat, ich schließe aber nicht aus, dass der Grund ein Bedienungsfehler meinerseits ist, z.B. weil ich unpassende Bearbeitungsvorgaben setze oder so. Die erste Abbruchmeldung habe ich jedenfalls schon wegbekommen, weil ich eine Option ausgeschaltet habe, die per default aktiviert war, aber offenbar speziell mit großen RAWs nicht zusammenarbeitet, jetzt hängts an einer anderen Stelle. Naja, vielleicht krieg ichs ja irgendwann doch noch hin.

Sternenpark RhönZum anderen benötigt man eine wirklich dunkle Umgebung, was im dicht besiedelten Deutschland nicht leicht zu finden ist. Lichtverschmutzung tritt selbst in der ländlichen Gegend, in der ich wohne, auf. Es ist unglaublich, welchen Einfluss das Licht einer 25 Kilometer entfernten Stadt, selbst wenn sie hinter einem Bergrücken liegt, auf die Sichtbarkeit von Sternen und Milchstraße hat. Und selbst ein kleines Dorf ums Eck, das ganz normale Straßenlampen hat, macht den Himmel auf Kilometer unfotografierbar. Aber es gibt zum Glück doch noch ein paar Gegenden, in denen es auf weite Fläche keine größere Stadt gibt, und diese Gegenden eigenen sich dazu, sogenannte „Sternenparks“ zu werden. Es gibt davon in Deutschland schon einige, und glücklicherweise ist die Rhön einer davon. Vor gar nicht langer Zeit haben sich dort viele Gemeinden bereit erklärt, ihre Straßen- und Hausbeleuchtungen so umzustellen, dass die Hochrhön Nachts so richtig schön dunkel ist. Und letzte Woche habe ich dort einen Kurzurlaub gemacht und natürlich die Gelegenheit genutzt, dort Nachts mal raus zu fahren und Fotos zu machen.

Jedenfalls habe ich mich zunächst mal auf „One Shots“ konzentriert – also Einzelbilder. Schnell wird einem da klar: an die Profis kommt man damit nicht ran, eine einzelne Aufnahme mit einem ISO zwischen 3200 bis 4000 und 20-25 Sekunden Belichtungszeit kann man nicht „klar“ bekommen. Keine Chance. Aber wenn man das mal akzeptiert hat, ist das nicht mehr so schlimm, denn man kann durchaus schöne „Amateur“-Fotos hinbekommen, die zumindest am Bildschirm durchaus beeindrucken können. Ich hab inzwischen aber auch schon eins gedruckt, in einem Fotokalender, in Din A3. Es geht also durchaus was, auch mit einer einzelnen Belichtung.

Ich bin inzwischen, nach einigem Versuch und Irrtum, recht zufrieden mit meinen Ergebnissen. Offenbar finden das einige meiner Freunde und Bekannten auch. Entsprechend wurde ich inzwischen des öfteren gefragt, wie ich das denn machte. Ich hab eine Weile überlegt, wie ich dazu eine Art Tutorial machen könnte, da eine solche Bildbearbeitung doch einigermaßen aufwändig ist. Schnell verwarf ich deshalb die Idee, Screenshots von Arbeitsschritten zu machen und einen langen Text dazu zu schreiben, ich hätte aberdutzende Screenshots benötigt. Außerdem ist jede Aufnahme, sofern sie nicht in Serie und immer in die selbe Richtung geschossen wurde, so unterschiedlich zu jeder anderen, dass es sowas wie ein „Standardprofil“ nicht gibt. Ich kann also nur die prinzipiellen Bearbeitungsschritte zeigen und was diese bezwecken, die jeweiligen Parameter im Detail können aber immer nur für das jeweils zu bearbeitende Bild gelten, denn schon ein kleiner Unterschied in der Lufttemperatur, geschweige denn in der Luftfeuchtigkeit, kann völlig andere Parameter erfordern. Und Lichtverhältnisse ändern sich ebenfalls, selbst in einem Sternenpark, sobald man den Standort oder die Richtung wechselt, in die man fotografiert.

Drum habe ich mir gedacht, dass ich einfach ein Video mitschneide, während ich ein Bild von Anfang an bearbeite. Am besten schaut ihr das im Vollbildmodus und HD, damit die Schriften und Parameter auch gut erkennbar sind. Ich hoffe, dass das Teil irgendwie hilfreich ist und freue mich natürlich über Feedback.

 

-> Zum im Video erwähnten Artikel über RAW vs. JPG


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