Neues zu Fotoplattformen – Ipernity von den Nutzern gerettet, SmugMug kauft flickr 1


Vor einiger Zeit schrieb ich ja mal einen Artikel, in dem ich meine bevorzugten Foto-Plattformen verglich – das war damals Ipernity und 500px. Nicht allzu lange Zeit später geriet Ipernity in Schwierigkeiten, und es wurde angekündigt, dass die Plattform bald geschlossen würde. Ein paar sehr engagierte Ipernity-User aus aller Welt wurden daraufhin aktiv und kündigten an, zu versuchen, die Plattform in Userhand zu übernehmen. Das sah Anfangs sehr schwierig aus, aber nach einigen Monaten kristallisierte sich tatsächlich eine Lösung heraus. Die Anfang 2017 gegründete „Ipernity Members Association“ IMA schaffte es, im September 2017 Ipernity komplett zu übernehmen. Im Hintergrund wird inzwischen auch fleißig an den Seiten und neuen Funktionen gearbeitet. Im Moment sieht man noch keinen Unterschied zum „alten“ Ipernity, wer nichts von den Problemen und der Übernahme mitbekommen hat, für den schaut Ipernity aus wie immer.

Die auffälligste Neuerung allerdings ist eine deutliche Preiserhöhung. Diese wurde über eine Umfrage unter den bisherigen Mitgliedern und eine transparente Offenlegung der Kostenfaktoren sowie einer Berechnung, wie viele zahlende Mitglieder für eine kostendeckende Weiterführung der Plattform notwendig sind, ausgehandelt. Die Kosten für eine „Club“-Mitgliedschaft haben sich damit fast verdoppelt. Mit rund 42€ im Jahr (oder rund 23€ für 6 Monate) liegt Ipernity aber immer noch im günstigen Bereich unter den gängigen Fotoportalen mit Bezahlmodell, ca. 3,50€ im Monat – also nicht mehr als ein Coffee to Go im Monat –  sind für einen Dienst mit diesen Features wahrlich nicht viel Geld.

Während sich Ipernity (hoffentlich nachhaltig) als Phönix aus der Asche erhebt, gibt es auch bei einer der dienstältesten Fotoplattformen (und dem Vorbild für Ipernity, als letztere gegründet wurden) Neuigkeiten: das am finanziell schwer angeschlagenen Internetriesen Yahoo hängende flickr wurde offensichtlich verkauft und von der Fotoplattform SmugMug übernommen.

Kurz- und mittelfristig scheint es seitens SmugMug dabei keinerlei Pläne zu geben, an Form und Features von flickr etwas zu ändern, in den FAQ zur Übernahme kündigt SmugMug an, flickr auf Dauer separat neben der SmugMug-Plattform laufen zu lassen und auch am Freemium-Modell nichts zu ändern. Es scheint, dass SmugMug flickr tatsächlich in der bestehenden Form weiterführen möchte.

SmugMug selbst hat nur eine 14-Tage Trial-Phase, danach bieten sie verschiedene „Plans“ an von „Basic“ bis „Business“. Die Kosten für einen „Basic“ Account liegen nur wenig über denen für eine Ipernity Club-Mitgliedschaft: 3,99$/Monat plus Mehrwertsteuer, also umgerechnet und inklusive MwSt. rund 4,00€/Monat bei derzeitigem Umrechnungskurs und bei jährlichem Zahlungsintervall, wobei auch monatliche Zahlung möglich ist, allerdings kostet das dann auch gleich deutlich mehr. Alles, was über diesen Basic-Account hinaus geht wird dann deutlich teurer und richtet sich entsprechend an Semiprofis und Professionals.

Ich habe ja inzwischen (wieder) ein flickr -Konto. Auch wenn ich froh bin, dass es bei Ipernity weiter geht und ich diese Plattform auf jeden Fall als meine primäre „Für Alles“-Adresse beibehalten werde, werde ich jetzt mein flickr-Konto nicht wieder löschen sondern behalte es auch aus Neugierde bei, weil ich sehen will, was SmugMug wirklich mit dieser Akquise vorhat.

Die realen Kosten für eine solche Plattform, die während der Übernahmezeit bei Ipernity transparent wurden, sind nicht von Pappe, und flickr ist gegenüber Ipernity gigantisch größer – ich kann mir nicht vorstellen, dass SmugMug auf lange Frist hier keine Änderungen am Geschäftsmodell vornehmen wird, zumindest nicht, wenn sich nicht deutlich viele bisherige Freemium-Nutzer entweder für einen Transfer zu SmugMug selbst entscheiden oder für einen Pro-Account bei flickr. Fotohosting in dieser Größenordnung ist nicht billig, und niemand kann auf Dauer eine solche Plattform aufrecht erhalten, wenn sich nicht irgendwas daran am Ende doch rechnet, und wenn es nur die pure Tragfähigkeit ist.

Ich erwarte deshalb eine Art „Kombi“-Möglichkeit, die beide Konten miteinander verknüpft, wenn vielleicht auch noch nicht auf mittlere Frist, aber auf jeden Fall auf lange. Oder SmugMug wird auf flickr sehr viel mehr Werbung schalten als dort bislang stattfindet, vielleicht sogar vergleichbar wie Werbung auf Facebook o.ä. funktioniert, und so versuchen, Geld mit der Plattform zu verdienen oder zumindest die Betriebskosten auszugleichen.

Denn ich glaube nicht, dass die bestehende SmugMug-Community es toll findet, wenn ihre Bezahlaccounts nicht die eigene Plattform und deren Weiterentwicklung finanzieren sondern deren Beiträge in die Kosten für die Aufrechterhaltung einer davon völlig losgelösten kostenintensiven Freemium-Hobbyisten-Plattform fließen, auf der sie selber unter Umständen nicht einmal groß aktiv sind. Wenn ich für etwas bezahle, dann möchte ich auch, dass dieses Geld nicht in etwas völlig davon unabhängiges investiert wird. SmugMug muss deshalb irgendwo einen Vorteil für sich sehen, Synergiepotential oder Monetarisierung oder was auch immer, und diese Möglichkeiten müssen auf Dauer irgendwann amortisieren, wenn sie nicht nur ihr bestehendes Geschäftsmodell mit zusätzlichen Kosten belasten wollen.

Es bleibt also spannend auf dem Markt.

[Update] ipernity hat die Zahlen für 2017 veröffentlicht und es schaut aus als würde es wirklich funktionieren. Das ist sehr erfreulich 🙂


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Ein Gedanke zu “Neues zu Fotoplattformen – Ipernity von den Nutzern gerettet, SmugMug kauft flickr

  • Bernhard

    Inzwischen hat das ima-Team der Sharing-Plattform eine neue, aufgeräumtere Startseite spendiert, die nicht mehr auf Agenturbilder zurückgreift, sondern Bilder aus der Community verwendet. Darüberhinaus wurde die Anmeldeprozedur inzwischen durchgängig SSL-verschlüsselt. Es geht immer weiter voran.